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Yoga kann dir bei Hormonproblemen wie PMS oder Periodenschmerzen helfen!

Hormonelle Probleme bekämpfen – mit Yoga!


Wer seinen Zyklus in Balance bringen und hormonelle Beschwerden heilen möchte, braucht dafür nicht nur die richtige Ernährung. Auch Bewegung ist für einen gesunden Körper mit allen Hormonen im Einklang wichtig. Hier kann Yoga einen tollen Beitrag leisten, da es sich – richtig angewendet – perfekt an unseren Zyklus anpassen lässt.


Die ideale Ansprechpartnerin für Yoga für Frauen ist Eva Sturm, die auf ihrer Webseite und auf Instagram, feminines Yoga anbietet, das sich an die Bedürfnisse des weiblichen Körpers anpasst. Wie wir Yoga für uns nutzen können, und wie es uns beispielsweise bei Endometriose oder Kinderwunsch helfen kann, hat mir Eva in einem ausführlichen Interview erzählt!


Wie bist Du dazu gekommen, Yoga speziell für Frauen anzubieten? 

Nachdem ich verstanden habe, dass viele Yoga-Stile gar nicht so gut für Frauen geeignet sind. Ursprünglich wurde Yoga so konzipiert, dass es perfekt zu den Körpern heranwachsender Jungen passt. Wenn man sich die Geschichte des Yoga in Indien, vor allem in alten Yogaschulen, ansieht, war die Praxis auf pubertierende Jungen zugeschnitten – und nicht auf die Bedürfnisse von weiblichen Körpern, geschweige denn älteren weiblichen Körpern. Zwar wird das Augenmerk immer mehr auf Frauenkörper gerichtet, aber es sind noch relativ wenig Angebote.

Das will ich ändern. Ich habe gemerkt, dass mir die Yoga-Praxis mehr gibt, wenn ich sie an meinen Zyklus und meine Bedürfnisse anpasse, als wenn ich versuche, das Yoga in irgendwelche Formeln zu pressen, die mir ein Stil vorschreibt. 


Du hast zuerst eine klassische Yoga-Lehrer-Ausbildung gemacht. Wie sind Deine Erfahrungen damit?

Ich habe mir früher sehr viel Druck gemacht: Ich wollte bei den Figuren immer mithalten und so tief wie möglich kommen. Als ich das nicht schaffte, fühlte ich mich schnell sehr inadäquat. Meine damalige Yoga-Lehrerin in der Ausbildung hat uns richtig gedrillt und uns erklärt, wenn wir nicht so weit kommen wie sie, hieße das, dass wir nicht genug üben würden. Was hier nicht beachtet wurde: Alle Menschen sind anders gebaut und bei manchen geht es etwa in der Hüfte nicht so tief. Deswegen finde ich es wichtig, dass man die Übung den körperlichen Bedürfnissen anpasst und nicht umgekehrt. 


Aber diese Art des Yogas, das Du auch gelernt hast, gehört zu den verbreiteten Varianten?

Genau, Vinyasa ist ein sehr dynamisches Yoga, das ein bisschen ähnlich ist wie Ashtanga Yoga, wobei Ashtanga fast noch krasser ist. Was sonst noch verbreitet ist, ist das Hatha Yoga. Das ist ganz ein bisschen entspannter, aber wird meistens auch nicht angepasst an den weiblichen Körper. Im Inyengar Yoga gibt es einzelne Sequenzen speziell für Frauen, auch Menstruation-Sequenzen. Dann gibt es noch Hot oder Bikram Yoga, beide sind aber absolut männliche dominierte Stile. 


Wurde bei Deiner Ausbildung nicht kommuniziert, dass diese Yoga-Arten eher auf den Jungenkörper zielen?

Nicht wirklich. Es wurde nie in Frage gestellt, ob die dynamische Yoga-Praxis für Frauen gut ist. Denn so wurde es eben seit Jahrhunderten geübt, und so wird jetzt eben weiter gemacht.


Hast du angefangen, das Ganze zu hinterfragen, als Du Deine Endometriose-Diagnose erhalten hast?

Genau. Das war der hauptsächliche Auslöser für mich. Ich habe nach der Diagnose die Pille im Langzeitzyklus genommen. In dieser Zeit meinen Körper eigentlich gar nicht mehr gespürt. Aber als ich die Pille abgesetzt habe, merkte ich schnell, dass ich die klassische Yoga-Art gar nicht mehr ausführen kann. 


Sollten Frauen dann möglichst kein klassisches Yoga mehr machen?

Man kann natürlich weiterhin Vinyasa Yoga oder andere dynamische Yoga-Arten machen. Aber ich würde das nur noch für die Follikel- und Ovulations-Phase empfehlen, jedoch nicht bei PMS oder während der Menstruation. Leider gibt es viele Frauen, die zu wenig auf ihre Bedürfnisse in der zweiten Zyklushälfte achten, getreu dem Motto: weiter, schneller, höher. Das hat viel damit zu tun, dass wir oft den Bezug zu unserem Körper verlieren und ihn gar nicht richtig spüren. Genau so ist es auch beim klassischen Yoga: Du machste deine Übungen alle durch, ohne wirkliche Pause. Der Körper hat gar keine Zeit, darauf zu reagieren. 


Yoga kann bei Hormonproblemen eine tolle Unterstützung sein!
Yoga kann bei Hormonproblemen eine tolle Unterstützung sein!

Gibt es Yoga-Arten, die sich besser für Frauen eignen?

Ja, zum Beispiel Moon oder Yin Yoga. Bei diesen Yoga-Arten macht man bewusst Pausen, um dem Körper die Zeit zu geben, die Übungen aufzunehmen und zu verarbeiten.


Ich habe gesehen, dass Du neben Moon und Yin Yoga auch öfter von Fertility Yoga sprichst. Welche Yoga Sorte ist für wen besonders geeignet?

Fertility Yoga ist natürlich besonders sinnvoll für Frauen mit Kinderwunsch. Es ist auf den Zyklus abgestimmt: In der ersten Zyklushälfte hat man dynamischere Elemente, im zweiten Teil des Zyklus nimmt man sich Zeit, wird ruhiger und bereitet den Körper auf die Einnistung des Eis vor. Man arbeitet auch mit Visualisierungen, bei denen man sich bildlich vorstellt, wie das Ei ein schönes, kuscheliges Zuhause in der Gebärmutter findet. Außerdem geht es insgesamt viel darum, dass man Stress abbaut und wieder zu sich und dem Körper findet. Denn wichtig ist vor allem für Frauen mit Kinderwunsch, dass sie mit dem Körper arbeiten und nicht gegen ihn. Für sie ist der Kinderwunsch nämlich oft ein großer Stressfaktor, weil so viel auf dem Spiel steht. Deswegen ist es für diese Frauen total hilfreich, den Stress abzubauen, zu entspannen und mit dem Zyklus zusammenzuarbeiten. 


Und für wen eignet sich Moon Yoga besonders gut?

Moon Yoga ist speziell für Frauen mit hormonellen Ungleichgewicht konzipiert worden von meiner Lehrerin Andrea Kampermann in München. Es mischt Elemente von verschiedenen Stilen – wie etwa Yin, Fertility oder Vinyasa Yoga. Es ist speziell darauf ausgerichtet, Frauen zu helfen, ihre Hormone wieder mehr in ein Gleichgewicht zu bekommen. Unter anderem durch Stressabbau, aber auch durch verschiedene Übungsabfolgen, die das unterstützen. Gerade bei Frauen mit Endometriose funktioniert das sehr gut, weil man viel mit dem Unterleib arbeitet, wodurch Verspannungen und Verklebungen gelöst werden können.



Wie sieht es mit Yin Yoga aus? 

Das ist ein sehr ruhiger Stil, bei dem man hauptsächlich Asanas auf dem Boden macht. Aber es gibt auch ein paar stehende Haltungen. Alle Asanas werden sehr lange gehalten, was wiederum Einfluss auf das Fasziengewebe hat: Man nennt das positiven Stress. Dadurch wird Hyaluronsäure im Gewebe ausgeschüttet, was dieses wieder befeuchtet und Verklebungen und Verhärtungen löst. Weil es so langsam und ruhig ist, fährt dabei das sympathische Nervensystem stark herunter und das parasympathische Nervensystem wird aktiviert. Deshalb wirkt Yin Yoga sehr entspannend und unterstützt die Stressreduktion.


Du hast selber Endometriose. Wie hat Dir Yoga bei dieser Krankheit geholfen?

Für mich war es ein Schlüsselmoment, dass ich durch das Yoga wieder das Gefühl hatte, das ich selber etwas für meinen Körper tun kann. Denn am Anfang, nach der Diagnose, als ich die Pille sehr lange genommen habe, fühlte ich mich hilflos und ausgeliefert. Der Frauenarzt hatte mir gesagt, dass ich nichts anderes machen könne, außer die Pille zu nehmen, sie bei Kinderwunsch abzusetzen und zu hoffen, dass ich dann irgendwie schwanger werden würde.

In dieser Zeit hatte ich trotz Pille öfter Schmerzen – auch da gab es nicht wirklich Hilfe außer: Nimm Dir eine Wärmflasche. Durch das Yoga habe ich schließlich wieder das Selbstvertrauen geschöpft, um zu sagen: Ich bin nicht ausgeliefert. Es ist eine chronische Krankheit, aber ich kann für mich etwas ändern. Ich kann es für mich verbessern. Also bin ich vom Vinyasa zu den anderen Yogastilen gewechselt – und das hat mir körperlich sehr gut getan. Ich spüre meinen Körper wieder, spüre, was er möchte und was nicht. Ich kann damit meine eigenen Schmerzen vermindern und meine Lebensqualität steigern.

Eva Sturm leidet an Endometriose, doch dank femininem Yoga kann sie besser mit der Krankheit und anderen Hormonproblemen umgehen.
Eva Sturm leidet an Endometriose, doch dank femininem Yoga kann sie besser mit der Krankheit und anderen Hormonproblemen umgehen.

Geht es Dir jetzt, da Du die Pille abgesetzt hast und selber mit Yoga gegen Schmerzen arbeitest, besser als damals, als Du die Pille durchgenommen hast?

Ich habe schon öfter Schmerzen als damals mit Pille. Jedes Mal, wenn ich meine Tage bekomme, habe ich schon immer ein, zwei Tage ziemlich starke Beschwerden. Aber während des restlichen Zyklus geht es mir sehr gut. Ich weiß jetzt, was ich machen kann, wenn verschiedene Arten von Schmerzen auftauchen. Von meinem Körpergefühl geht es mir auf jeden Fall besser, und auch, was die Libido angeht: Denn mit der Pille hab’ ich mich wie ein toter Fisch gefühlt. Dadurch, dass ich gegen den Rat der Ärzte die Pille abgesetzt habe, kann ich natürlich nicht beschwören, dass ich keine neuen Verwachsungen bekomme oder schwanger werde. Aber im Hier und Jetzt geht es mir besser.


Gibt es auch andere hormonelle Beschwerden, bei denen man die Yogapraxis gezielt einsetzen kann?

Ja, auf jeden Fall. Moon Yoga ist super für Frauen mit allen möglichen hormonellen Ungleichgewichten – von Schilddrüsenproblemen über chronische Erschöpfung und PMS bis hin zu PCOS (Polyzystisches Ovarsyndrom). Ich würde zwar nicht sagen, dass man alle hormonellen Erkrankungen damit heilen kann – aber man kann sie beeinflussen: Man kann Symptome verringern und die Lebensqualität steigern. 


Welche Symptome hast Du bei Dir beeinflussen können?

Abgesehen von der Endometriose hatte ich früher starkes PMS und konnte es verringern, indem ich spezielle Übungen dagegen mache.


Was sind das für Übungen?

Wenn man zum Beispiel Brustspannen vorbeugen möchte, kann man die Haltung „Schmelzendes Herz“ machen. Dabei wird vor allem der Brustbereich gedehnt und durchblutet, was Brustspannen auf Dauer vorbeugen kann. Auch Brustmassagen können sehr gut helfen, denn damit kann man akutes Brustspannen reduzieren.


Gibt es Übungen, die beim Kinderwunsch unterstützen? 

Ja, man kann beispielsweise Bananasana machen: Das dehnt die Eileiter und verbessert die Durchblutung der Eierstöcke – und kann so letztendlich helfen, wenn man schwanger werden möchte. Aber es gibt natürlich keine Garantie.


Wenn man seine Yogapraxis an den gesamten weiblichen Zyklus anpassen will, wie geht man dann vor? Welches Yoga macht man wann?

In der Follikel-Phase und der Ovalutions-Phase kann man mehr dynamische Elemente einbauen als in der Luteal- oder der Menstruations-Phase. Die Energie in der jeweiligen Phase wird im femininen Yoga immer mit der jeweiligen Mondphase gleichgestellt. Ursprünglich hatten Frauen ihre Menstruation während des Neumondes und ihren Eisprung ungefähr bei Vollmond.

Bildlich gesprochen: So wie der Mond wächst, wächst also auch die Energie von uns Frauen. In der Follikel-Phase wird die Energie immer mehr, bis sie mit dem Eisprung, also dem Vollmond, den Höhepunkt erreicht. Danach nimmt sie wieder ab, deshalb geht es im Yoga darum, die sinkende Energie abzufangen, uns mehr Zeit zu geben, nach innen zu schauen und uns auf den Neumond vorzubereiten. Deswegen baut man in diesem Zyklus-Teil wieder mehr Yin Yoga ein. Während der Menstruations-Phase sind Posen aus dem Restorative Yoga gut geeignet, bei denen man gepolstert liegt, sich kaum bewegt und einfach nur ist. Während man im Yin Yoga noch Dehnung hat, geht es im Resorative Yoga nur noch darum, in den Haltungen zu entspannen. Das hilft dabei, das Blut gut auszuscheiden und alles Alte loszulassen. 


Wenn jetzt eine Frau Dein feminines Yoga bei Dir machen möchte, wie kann sie das tun?

Aktuell biete ich regelmäßig Online-Livestunden an, die aufgezeichnet werden, damit sie die Leute auch anschauen können, falls sie es zur Stunde nicht schaffen. Zudem plane ich, Online-Kurse zu machen, die jeweils einen oder zwei Zyklen dauern – speziell für Frauen mit Endometriose oder Kinderwunsch. Gelegentlich werde ich auch Stunden über mein altes Studio in München, das Happy Belly Studio, geben. Da ich aber jetzt in Berlin lebe, werde ich auch dort in Studios Workshops auf die Beine stellen. Und wenn alles klappt, will ich nächstes Jahr auch ein Retreat anbieten.


Vielen Dank für das informative Interview, liebe Eva!


Eva findest Du über ihre Webseite feminine.yoga und auf Instagram unter ourfeminine.yoga sowie auf Facebook unter ourfeminine.yoga. 

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