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Endometriose und Pille- eine gute Kombination?

“Du hast Endometriose? Dann solltest du die Pille nehmen!” – Diesen Ratschlag haben schon viele Menschen gehört, die an Endometriose erkrankt sind. Aber ist das wirklich sinnvoll? Sind die Nebenwirkungen der Pille bei Endometriose das geringere Übel? Wirken die Hormone so, wie angepriesen? Und was sind die Vorteile und Nachteile einer hormonellen Behandlung? In diesem Blogpost haben wir die wichtigsten Infos zusammengefasst, damit du die richtige Entscheidung für dich findest.

 

Warum Pille bei Endometriose?

Endometriose ist eine häufige Erkrankung, die sich unter anderem durch starke Schmerzen äußern kann. Besonders häufig treten die Symptome während der Periode auf.

Bei der Endometriose bilden sich Gewebeherde, die der Gebärmutterschleimhaut ähnlich sind, an Stellen im Körper, an die sie nicht hingehören. Weil sich einige Endometriose-Formen zyklisch äußern, wird die Endometriose häufig mit Hormonen behandelt. Man geht davon aus, dass ein “auf Eis” gelegter Zyklus auch die Endometriose stoppt oder zumindest verlangsamt. Aber stimmt das wirklich? Gerade wegen der vielen Nebenwirkungen der Pille setzen aktuell viele Frauen Hormonbehandlungen ab. Ist das sinnvoll oder sollten sie die Pille nicht doch lieber weiterhin einnehmen?

Beginnen wir einmal von Anfang an: In der Endometriose-Therapie spricht man von 3 Säulen: operativ, komplementär und medikamentös. Die Behandlung mit Medikamenten schließt auch die hormonelle Therapie ein. Dazu gehört unter anderem die Pille. Von vielen Ärzten und Ärztinnen wird die Pille als erste Therapieoption bei Endometriose angeboten. Schauen wir uns mal an, warum das so ist und wo du aufpassen solltest.

 

Wie funktioniert die Pille?

Die Pille als Endometriose-Therapie funktioniert durch einen Eingriff in den natürlichen Hormonhaushalt. Wer die Pille nimmt, befindet sich hormonell immer in der Zeit kurz vor der Periode, wenn der Östrogenspiegel niedrig ist und das Progesteron steigt. Die Behandlung mit der Pille zielt auf die Herde ab, die hormonell ansprechen und durch Östrogene im monatlichen Zyklus eine Schleimhaut aufbauen. Fehlen den Zellen also die Östrogene, wachsen sie nicht, oder langsamer weiter.

Gestagene (künstliches Progesteron), wie Dienogest scheinen außerdem die Nervenweiterleitung und die Angiognese (Neubildung von Blutgefäßen) zu hemmen. So wird den Endometrioseherden die Blutzfuhr abgeschnürt, sie werden nicht mehr oder weniger mit Nährstoffen versorgt und die Nerven leiten Schmerz aus den Regionen weniger stark weiter.

Die Therapie funktioniert allerdings nur bei Endometrioseherden, die Rezeptoren für externe Hormone haben. Das tun nicht alle. Der allgemeine Griff zur Pille kommt von der veralteten Ansicht, dass es nur eine Art Endometriose gibt. Inzwischen weiß man, dass es auch Endometriose-Formen gibt, die ihre eigenen Hormone bilden und komplett unabhängig vom Zyklus des Körpers wachsen können. Welche Herde bei dir vorhanden sind, kannst du leider nur herausfinden, indem du ausprobierst, wie sie auf Hormone reagieren. Oft ist es auch eine Mischung.

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Wirkung der Pille bei Endometriose

Das Wichtigste vorweg: Die Endometriose ist durch eine hormonelle Behandlung beeinflussbar, aber nicht heilbar! Auch, dass bei einer Operation vergessene Herde mit der Pille “aufgeräumt” werden können, ist schlichtweg falsch.

Laut Studien liegt Effektivität in der Schmerzbekämpfung bei 50%. Was den Einfluss auf das Wachstum angeht, ist die Studienlage leider nicht so eindeutig – irgendwie auch klar, denn um das zu überprüfen, müssten mehrere Operationen in regelmäßigen Abständen durchgeführt werden.

 

Wie kann sich die Pille auf die Endometriose auswirken?

  • Die Schmerzen werden weniger, Herde wachsen aber weiter
  • Die Herde wachsen nicht, Schmerzen bleiben
  • Keine Wirkung auf Wachstum oder Schmerzen
  • Die Nebenwirkungen sind stärker als ursprüngliche Schmerzen
  • Nebenwirkungen sind vorhanden, aber die Lebensqualität ist besser als vorher
  • Weniger Schmerzen durch Ausbleiben der Periode, aber andere Symptome bestehen

Kann die Pille Endometriose schlimmer machen?

Leider ist eine Behandlung mit Hormonen keine Einheitslösung und auch keine Heilung für Endometriose. Es ist nicht sicher, wie genau unsere Körper auf lange Zeit gesehen reagieren. Dazu gibt es die Pille noch nicht lange genug und damit auch zu wenig Studien.

Was aber sicher ist, ist dass Herde trotz Pille weiter wachsen können. Manchmal verdeckt die Hormonbehandlung die Symptome und man merkt nicht, dass etwas wächst. Erst, wenn die Herde wirklich groß sind, oder Organe beeinträchtigen, machen sich die Symptome wieder bemerkbar. Deswegen ist es wichtig, dass du deine Endometriose – soweit das eben möglich ist – regelmäßig kontrollieren lässt.

Einige Studien zeigen, dass Frauen, die in der Vergangenheit die Pille genommen haben, häufiger Endometriose haben. Wer die Pille 5 Jahre oder länger einnimmt, hat ein 2,4 mal höheres Risiko, an Endometriose zu erkranken. Wird die Pille schon seit frühen Jugendjahren genommen, hat man laut Studie sogar ein noch größeres Risiko. Die Studie sagt allerdings nicht, warum das so ist oder ob die Endometriose wirklich durch die Pille entsteht. Es kann zum Beispiel auch sein, dass die Endometriose wie vorher beschrieben, versteckt gewachsen ist. Wer dann nach dem Absetzen plötzlich starke Schmerzen hat, geht wahrscheinlicher zum Arzt und wird eventuell mit Endometriose diagnostiziert.

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Welche Pille bei Endometriose?

Wer die Pille gegen Endometriose nimmt, sollte nicht einfach irgendein Hormonpräparat nehmen. Nicht jede Pille ist die selbe und wirkt gleich gut, wenn es um Endometriose geht.

Am Besten ist die sogenannte Minipille, die kein Östrogen enthält. Die sollte dann auch im Langzeitzyklus genommen werden, also ohne Pause. Die monatliche Pause ist sowieso nur eine Erfindung der Pharmaindustrie, damit Frauen ein natürlicher Zyklus vorgegaukelt wird. Die Abbruchblutung der Pille hat nämlich nichts mit einer natürlichen Periode zutun.

 

Der richtige Wirkstoff bei Endometriose

Es gibt nur wenige Wirkstoffe, die für die Endometriosebehandlung zugelassen sind. Einer davon ist Dienogest.

Wird eine Pille verschrieben, die eigentlich für die Verhütung gedacht ist, nennt man das Off-Label-Use, weil das Medikament nicht für die Behandlung von Endometriose gedacht ist. Ein Gynäkologe kann es trotzdem verschreiben, die Kosten werden dann aber nicht von der Krankenkasse übernommen. Empfohlen wird ein Wirkstoff, wie Dienogest, der als Monopräparat (also ohne Östrogene) auch wirklich für die Endometriose erforscht wurde. Eine Pille mit Dienogest ist z.B. Visanne.

Es gibt auch Kombinationspräparate mit Dienogest und Östrogenen, wie z.B. die Jubrele. Wer Dienogest als Monopräparat nicht verträgt, kann so eine Pille probieren. Manchmal muss man etwas experimentieren, bis man die richtige Pille für sich gefunden hat.

Die Visanne ist übrigens nicht als Verhütungsmittel zugelassen. Willst du gleichzeitig zur Endometriosebehandlung verhüten, sprich am Besten mit deinem Gynäkologen oder deiner Gynäkologin. Diese können dir sagen, ob du zusätzlich noch verhüten musst.

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Was du über die Pille wissen solltest

Wie jedes Medikament, kommt auch die Pille mit Risiken und Nebenwirkungen. Deswegen ist es umso wichtiger, dass du dich gut mit dem Medikament beschäftigst und alle Fragen, die du hast, deiner Ärztin oder deinem Arzt stellst.

 

Individuelle Faktoren bei der Einnahme

Das Thromboserisiko ist bei der Pille immer ein Thema, aber bei Pillen der neuen Generation ist es noch höher. Es gibt derzeit keine eindeutigen Studien, aber Dienogest kommt möglicherweise mit einem 1,5x höheren Risiko. Es lohnt sich, sich die Familienhistorie anzusehen und einen Thrombosetest zu machen. Bei Migräne mit Aura sollte außerdem keine Pille mit Östrogenen genommen werden und auch eine Einnahme der Gestagenpille sollte gut überwacht werden. Vorsichtig solltest du auch sein, wenn du unter psychischen Vorerkrankungen, wie einer Depression leidest.

Weitere Ausschlusskriterien für eine Pille mit Östrogenen sind Gerinnungsstörungen wie das Faktor-V-Leiden, Bluthochdruck, Lupus, Lipödem, Erkrankungen des Herzens, der Leber, der Galle oder der Lunge, Brustkrebs oder Schlaganfällen im engen familiären Umfeld, stark erhöhtem Cholesterin und starkem Übergewicht. Auch wenn du rauchst oder über 35 Jahren bist, solltest du besser eine östrogenfreie Variante verwenden.

 

So kannst du deinen Körper unterstützen

Die Pille ist ein Nährstoffräuber. Zusätzlich kommt es bei Endometriose zu verstärktem Nährstoffverbrauch durch chronische Entzündungen. Wenn du dich für die Pilleneinahme entscheidest, kannst du mit Nahrungsergänzungsmitteln supplementieren, um deinen Körper zu unterstützen. Vitamin C, E, B-Vitamine und Zink können die Nebenwirkungen der Pille etwas abschwächen.

Außerdem lohnt es sich Leber und Darm zu unterstützen, die bei der Pilleneinnahme oft stärker strapaziert werden. Gute Helfer sind z.B. Bitterstoffe, Ballaststoffe und Magnesium.

 

Pille und Kinderwunsch

Solltest du versuchen, schwanger zu werden, lohnt es sich, die Pille rechtzeitig abzusetzen. Es kann nämlich ganz schön lang dauern, bis sich der Körper wieder auf einen natürlichen Zyklus einstellt. Viele Frauen, befürchten dann, dass die Endometriose schuld daran ist, dass es mit dem Baby nicht klappt. In Wirklichkeit ist aber der Körper einfach noch nicht bereit für eine Schwangerschaft, weil die Hormone der Pille diese noch verhindern.

Du willst schwanger werden, nimmst die Pille gerade und fühlst dich damit nicht wohl, oder hast trotzdem Symptome oder? Der Pillenfrei-Guide hilft dir dabei, die Hormone abzusetzen und deinen Körper bei den Nachwirkungen zu unterstützen! Den Guide kannst du hier für 0 Euro herunterladen!

 

Dein Körper, deine Entscheidung

Wer die Pille nicht nehmen will, sollte sich nicht überreden lassen. Leider kommt es immer wieder vor, dass Ärzte Sätze wie “Wer die Pille nicht nimmt, ist selbst Schuld an der Endometriose” fallen lassen. Die Pille ist aber, wie du jetzt weißt, keine Heilung für Endometriose. Du bist nicht schuld an der Erkrankung!

Und wer die Pille nehmen möchte, sollte sich nicht von Nebenwirkungen und negativen Erfahrungsberichten verunsichern lassen. Es ist einfach eine 50/50-Chance, ob die Pille helfen kann – und dann kommt deine individuelle Situation und Reaktion auch noch dazu. Bei Endometriose und Pille gibt es kein absolutes Richtig und Falsch. Wichtig ist, dass du deine Entscheidung gut informiert triffst und dich damit wohlfühlst. Es gilt immer: dein Körper, deine Entscheidung!

 

Hast du noch Fragen oder Anmerkungen zu diesem Thema? Dann schreib sie gerne in die Kommentare dieses Artikels!

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