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Pflegeprodukte wie Cremes können endokrine DIsruptoren enthalten, die Deinen Hormonhaushalt aus dem Gleichgewicht bringen können.

Endokrine Disruptoren – oder: Warum Dein Make-Up dich krank macht

Endokrine Disruptoren sind im Badschränkchen des modernen Menschens allgegenwärtig: Sie lauern im Shampoo, in der Sonnencreme oder in der Wimperntusche. Diese versteckten Schadstoffe in Pflege- und Beauty-Produkten können unsere Hormone aus dem Gleichgewicht bringen und so auf lange Sicht Beschwerden und Krankheiten verursachen. Und da zu einem gesunden Lebenstil nicht nur die Lebensmittel, die wir essen, gehören, sondern auch die Produkte, die wir für unsere Körperpflege nutzen, werfen wir heute einen Blick auf die Störenfriede mit dem kompliziert klingenden Namen: endokrine Disruptoren.

Ein gesunder Lebensstil erlebt derzeit einen Boom: Wir trinken zum Frühstück grüne Smoothies und gehen regelmäßig ins Fitnessstudio. Wir wissen, dass Bewegungsmangel uns krank machen kann und greifen im Supermarkt zur Bio-Gurke, weil die nicht mit synthetischen Pestiziden behandelt wurde. Bei einer Sache sind wir jedoch nach wie vor sehr blauäugig unterwegs: bei unseren Beauty-und Pflege-Produkten.

Ich nehme mich da gar nicht aus, denn bei Kosmetik achte ich meist mehr auf die äußeren, als auf die inneren Werte: Hat das Teil ein schönes Packaging, wie die Lippenstifte von Glossier oder das Rouge von Milk MakeUp, ist es um mich geschehen.

Das Problem ist, dass viele dieser so schön verpackten Produkte endokrine Disruptoren enthalten können

Unser Hormonhaushalt (das sogenannte endokrine System) kann durch Umweltgifte und Schadstoffe in seinem Gleichgewicht gestört werden. Diese Schadstoffe führen dazu, dass sich unsere Hormone anders verhalten als sie sollten – daher nennt man diese Schadstoffe auch endokrine Disruptoren. Diese Veränderungen im Hormonhaushalt können zahlreiche Folgen nach sich ziehen: von einer unregelmäßigen Menstruation oder Hautunreinheiten über Fruchtbarkeitsstörungen bis hin zu Krankheiten wie Krebs und Geburtsfehlern bei Kindern. [1]

Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind derzeit 800 Substanzen bekannt, die nachweislich oder im Verdacht stehen, dass sie Einfluss auf unseren Hormonhaushalt nehmen. [2] Und diesen Schadstoffen sind wir tagtäglich ausgesetzt. Zwar erleben wir ihre Auswirkungen nicht sofort, langfristig können sie uns aber sehr krank machen.


Welche Stoffe sind endokrine Disruptoren – und wie kann ich sie meiden?

Phthalate, Parabene oder UV-Filter sind einige der Substanzen, die unser sensibles hormonelle Gefüge stören können. Und sie umgeben uns überall in unserem Alltag: in Haarsprays, in unserer Zahnpasta, in Plastiktiegeln und -tuben, in Shampoos, Gesichtscremes, Make-Up oder Haarfärbemitteln.

Die nachfolgende Übersicht geht auf die kritischen Stoffe genauer ein und schlägt Wege vor, wie man diese vermeiden kann.

Phthalate

Verschiedene Phthalate kommen in Kosmetik und Körperpflegeprodukten vor, etwa in Parfüm, Eau de Toilette, Rasierwasser, Nagellack, Seifen, Haarconditionern und Haarsprays. Phthalate werden mit Endometriose in Verbindung gebracht [3][4] sowie mit verfrühter Pubertät bei jungen Mädchen. [5] Zudem können sie zu Anomalien der Sexualorgane [6][7] und verminderter Fruchtbarkeit [8][9] führen.
 

In Kosmetika werden Phthalaten meist als Vergällungsmittel verwendet. Vergällungsmittel nutzt man, um genießbare Stoffe ungenießbar zu machen, indem man Geruch, Geschmack oder Farbe der Substanz verändert. Und Achtung – jetzt wird es kurios: In Kosmetikprodukten ist oftmals Alkohol enthalten. Allerdings wird auf Alkohol innerhalb der Europäischen Gemeinschaft die Branntweinsteuer erhoben – egal, ob dieser nun in einem leckeren Glas Rotwein vorkommt oder in Deinem Nagellackentferner. Um diese Steuer zu umgehen, vergällen die Hersteller den Alkohol durch Phthalate. Auf diese Weise fällt das Produkt nicht mehr unter die Branntweinsteuer.
 

Was kannst Du tun?
Wie eben erwähnt, werden Phthalate häufig genutzt, um Alkohol zu vergällen. Ist ein solcher in dem Produkt enthalten, wird er häufig unter den Inhaltsstoffen als „Alcohol denat.“ aufgeführt. Leider reicht es von Gesetzeswegen aber schon, wenn auf dem Produktsinhaltsstoffen der mit Phthalaten vergällte Alkohol als „Alkohol“ gelistet wird. Wer also auf Nummer sicher gehen möchte, verzichtet am besten auf Produkte, die Alkohol enthalten.

UV-Filter

Einige Substanzen, die als chemische UV-Filter in Sonnencremes verwendet werden, gelten als endokrine Disruptoren. Dazu gehört Octinoxat, auch Octylmethoxycinnamat (OMC) genannt. OMC hat eine östrogene Wirkung. Zudem führte es in einer Studie mit Brustkrebszellen zu einem schnelleren Wachstum der Zellen. Es ist möglich, dass OMC auch das Hormonsystem der Schilddrüse beeinflusst. Eine Studie stellte Effekte bereits bei Dosen fest, die bei
der Verwendung von OMC-haltiger Kosmetika überschritten
werden.[10] Auch Enzacamen kommt als UV-Filter in Sonnencremes vor und gilt endokriner Disruptor und kann die Sensoren der männlichen Spermien stören und so eine Schwangerschaft erschweren oder gar verhindern.[11] Es hat eine östrogenartige Wirkung auf den Körper [12] und verringert die Aktivität der Schilddrüse.[13] Der dritte im Bunde dieser speziellen Schadstoffe in Sonnencremes ist Oxybenzon. Auch für diesen Stoff gibt es Hinweise auf auf hormonelle Wirkungen.[14] Bei all diesen Filtern gibt es noch ein weiteres Problem: Sie werden in den meisten Studien isoliert in ihrer Wirkung betrachtet. Tatsächlich ist es aber so, dass viele Cremes mehr als einen chemischen UV-Filter enthalten sowie häufig auch andere mögliche endokrine Disruptoren wie Parabene. Die Effekte, die durch solche Kombinationen entstehen und auf unseren Körper einwirken, sind bislang unbekannt.

 

Was kannst Du tun? Beim Sonnencreme-Kauf immer einen Blick auf die Inhaltsstoffe werfen: Setze auf Cremes, die auf chemische UV-Filter wie Octinoxat, Enzacamen und Oxybenzon verzichten. Setze lieber auf mineralische UV-Filter, wie etwa Zinkoxid.

Parabene

Parabene werden kontrovers diskutiert¹, da ihre östrogene Wirkung am Menschen bisher kaum oder nur in sehr abgeschwächter Form (Faktor 1 Million) nachgewiesen werden konnte. Dennoch stehen Methylparaben und Butylparaben, die sehr häufig in der Kosmetikindustrie verwendet werden, auf der Prioritätenliste der EU für hormonell wirksame Stoffe. Sie helfen, dass Produkt besser und länger haltbar zu machen, aber sie gelten als endokriner Disruptor, da sie Östrogen imitieren.[15] Zu viel Östrogen kann die Zellteilung stimulieren und so zum Wachstum von Tumoren führen – das ist auch der Grund, warum Parabene mit Brustkrebs [16] und Fruchtbarkeitsstörungen in Verbindung gebracht wird. Auch Propylparaben, Ethylparaben und Phenylparaben gelten als hormonell wirksam.[17][18]

 

Was kannst Du tun? Verwende Produkte, die ohne Ethylparaben, Methylparaben, Butylparaben, Propylparaben auskommen. Bevor Du ein Produkt kaufst, scanne den Barcode mit der kostenlosen App Codecheck. Sie liefert Dir einen guten Überblick über die kritischen Inhaltsstoffe. Wegen der Parabene Isopropyl-, Isobutyl-, Pentyl-, Benzyl- und Phenylparaben musst Du Dir glücklicherweise keinen Kopf zerbrechen, da diese als Konservierungsmittel in Kosmetika seit Oktober 2014 in der EU nicht mehr zugelassen sind.

Resorcin

Resorcin wird in Haarfärbemitteln, Haarwässern und Ekzem-Salben verwendet. Es hat eine antiseptische und desinfizierende Wirkung. Doch Resorcin wurde von der EU als endokriner Disruptor gelistet.[19] Es besteht eine Korrelation von Erkrankungen der Schilddrüse und langfristiger Verwendung von Resorcin.
 

Was kannst Du tun? Wieder ist der Blick auf die Zutatenliste der beste Ratgeber. Benutze Haarfärbemittel, die ohne Resorcin auskommen. Meist sind Bio-Haarfärbemittel die bessere Wahl. Versuche außerdem resorcinhaltige Salben nicht übermäßig auf verletzter, offener Haut anzuwenden.

Triclosan

Triclosan wirkt antimikrobiell und wird daher beispielsweise für Deodorants, Handseifen, Mundwasser und Zahnpasta verwendet. Aber auch in Schneidebrettern, Wasch- und Putzmitteln kommt es vor. Kosmetikhersteller nutzen es in ihren Produkten vor allem als Konservierungsmittel. Forscher fanden Triclosan im Urin von Schwangeren sowie im Nabelschnurblut.[20] Des Weiteren berichtete eine kanadische Studie, dass die Frauen eine verminderte Fruchtbarkeit aufwiesen, bei denen Triclosan-Werte von ≥71.7 μg/l im Urin nachgewiesen werden konnten.[21] Es besteht der Verdacht, dass Triclosan verschiedene Störungen beim Menschen verursachen kann. Dazu gehören beispielsweise die Abnahme von Gewicht, Größe und Kopfumfang bei Neugeborenen, ein erhöhtes Risiko für Fehlgeburten, ein erhöhtes Risikos für Asthma und Allergien sowie eine Erhöhung der Blutwerte für das Schilddrüsenhormon Triiodthyronin. [22] Vermutlich fördert Triclosan im Menschen das Wachstum von Tumoren der Leber und Entzündungen der Leber.[23] Zu guter Letzt steht Triclosan auch noch im Verdacht, Antibiotika-Resistenzen zu fördern. [24]

 

Was kannst Du tun? Versuche, auf Kosmetikprodukte umzusteigen, die ohne Triclosan auskommen. Auch hier hilft die App Codecheck weiter, die auch alle Produkte in Deutschland listet, die derzeit Triclosan verwenden.

Gerade Schwangere und Stillende sollten versuchen, diese Schadstoffe deshalb so gut es geht zu meiden. Aber auch anderen schadet ein Verzicht keineswegs. Natürlich leben wir nicht in einem luftleeren Raum ohne Kontakt mit der Außenwelt – wir sind also gewissen Stoffen ausgesetzt, ob wir es nun wollen oder nicht. Doch auf einiges haben wir auch Einfluss. Und da müssen wir ansetzen.






Quellen:

[1] Fürhacker, Maria. (2017). Endokrine Disruptoren – eine komplexe Herausforderung. Österreichische Wasser- und Abfallwirtschaft. 1-10. 10.1007/s00506-017-0396-x.

[2] World Health Organization (WHO), 2012. State of the science of endocrine disrupting chemicals. Summary for Decision-Makers

[3] Women Diagnosed with Endometriosis Show High Serum Levels of Diethyl Hexyl Phthalate: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC6094529/

[4] Phthalates and risk of endometriosis: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3905445/

[5] Phthalate exposure in girls during early puberty: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19344077

[6] First trimester phthalate exposure and male newborn genital anomalies: https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0013935116303322

[7] Phthalates and Male Reproductive-Tract Development: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK453249/

[8] Reproductive and developmental effects of phthalate diesters in females: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3604737/

[9] Independent and combined effects of diethylhexyl phthalate and polychlorinated biphenyl 153 on sperm quality in the human and dog: https://www.nature.com/articles/s41598-019-39913-9

[10] Der Kosmetik-Check. Hormoncocktail im Badezimmer. BUND-Studie zu hormonell wirksamen Stoffen in Kosmetika: https://www.bund.net/fileadmin/user_upload_bund/publikationen/chemie/kosmetik-check_studie.pdf

[11] https://www.medizin.uni-muenster.de/fileadmin/einrichtung/cera/KTS_Magazin_Christian.pdf

[12] In vitro and in vivo estrogenicity of UV screens:
Gelöscht: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/11333184

[13] 4-methylbenzylidene-camphor (4MBC) causes pituitary effects comparable to hypothyroidism: https://www.endocrine-abstracts.org/ea/0011/ea0011oc60.htm

[14] Krause M et al. Sunscreens: are they beneficial for health? An overview of endocrine disrupting properties of UV-filters.

[15] Routledge EJ, Parker J, Odum J, Ashby J, Sumpter JP. Some alkyl hydroxyl benzoate preservatives (parabens) are estrogenic. Toxicol Appl Pharmacol 1998;153:12-19

[16] Concentrations of parabens in human breast tumours: https://onlinelibrary.wiley.com/doi/abs/10.1002/jat.958

[17] The estrogenicity of methylparaben and ethylparaben at doses close to the acceptable daily intake in immature Sprague-Dawley rats: https://www.nature.com/articles/srep25173

[18] Scientific Committee on Consumer Safety (SCCS), 2011. OPINION ON Parabens. COLIPA n° P82

[19] European Chemicals Agency (ECHA): Endocrine disruptor assessment list: https://echa.europa.eu/de/ed-assessment/-/dislist/details/0b0236e182ea1393

[20] American Chemical Society: https://www.acs.org/content/acs/en/pressroom/newsreleases/2014/august/pregnant-women-and-fetuses-exposed-to-antibacterial-compounds-face-potential-health-risks.html

[21] Female exposure to phenols and phthalates and time to pregnancy: the Maternal-Infant Research on Environmental Chemicals (MIREC) Study: https://www.fertstert.org/article/S0015-0282(15)00040-0/fulltext

[22] Triclosan exposure, transformation, and human health effects: https://www.tandfonline.com/doi/abs/10.1080/10937404.2017.1399306?journalCode=uteb20

[23] Triclosan: A Widespread Environmental Toxicant with Many Biological Effects: https://www.annualreviews.org/doi/10.1146/annurev-pharmtox-010715-103417

[24] The impact of triclosan on the spread of antibiotic resistance in the environment: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4295542/

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