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Studienerfolg: Kommt bald die Pille für den Mann?

Verhütung ist auch 2023 noch immer Frauensache. Antibabypille, Nuvaring, Spirale, Spritze und Co. lassen die Verantwortung (und sämtliche Nebenwirkungen) beim Partner mit Gebärmutter. Immer wieder hört man in den Medien von der Pille für den Mann, aber wo sind diese Alternativen am Markt?

In diesem Blogpost bekommst du eine Übersicht über die aktuellen Forschungen. So viel können wir dir schon mal verraten: Es könnte bald etwas Neues an der Verhütungsfront geben!

Was ist die Pille für den Mann?

Die „Pille für den Mann“ steht umgangssprachlich für verschiedene Verhütungsmethoden. Während die Pille für Frauen immer hormonell ist, wird bei Männern auch an anderen, nicht-hormonellen Wirkstoffen geforscht.

Seit die Antibabypille in den 1960er Jahren auf den Markt gekommen ist, hat sich in Sachen Verhütung nicht viel getan. Es kamen zwar immer neue Präparate auf den Markt, aber das Prinzip blieb das gleiche: Der Zyklus der Frau wird ausgeschalten und mit künstlichen Hormonen ersetzt. So findet kein Eisprung statt und eine Schwangerschaft wird verhindert.

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Zwar suchten Forscher*innen immer wieder nach hormonellen Alternativen für den männlichen Partner, doch die meisten Projekte wurden wieder eingestellt. Die Gründe dafür? Zu wenig Forschungsgelder, starke Nebenwirkungen, eine zu langer Dauer bis das Präparat wirkt und dass der Mann häufig zur Kontrolle musste, um sicherzustellen, ob das Medikament überhaupt wirkt.

Die Wissenschaft forscht nach einer Lösung, die schnell und einfach rückgängig zu machen ist. Zudem muss sie sicher in der Anwendung sein, wenige Nebenwirkungen und keine Langzeitfolgen haben und einfach anzuwenden sein. All‘ das in einer Verhütungsmethode zu vereinbaren ist gar nicht so einfach.

Gut zu wissen: Auch die Anti-Baby-Pille für Frauen würde heutzutage wahrscheinlich nicht mehr auf den Markt kommen. Die Nebenwirkungen und Gefahren für die Gesundheit sind zu hoch. Mehr zu den Gesundheitsrisiken der Pille kannst du unter anderem auch hier, hier, hier, hier und hier nachlesen. kannst Wird also längst Zeit, dass es eine Alternative gibt!

Hormonelle Verhütungsmethoden für den Mann:

Prinzipiell klingt es logisch, dass eine hormonelle Verhütung bei Männern sinnvoller ist als bei Frauen. Schließlich können Frauen nur ein Mal im Monat schwanger werden, Männer dagegen können jeden Tag ein Baby zeugen. Genau da liegt aber das Problem: eine hormonelle Verhütung bei Männern ist viel komplizierter. Die Pille für den Mann muss nämlich 100 Millionen Spermien unterdrücken – und das ununterbrochen. Bei Frauen muss die hormonelle Verhütung nur einmal im Monat den Eisprung verhindern. Indem der Menstruationszyklus einfach ausgeschalten wird, ist das vergleichsweise „einfach“ möglich.

Trotzdem haben größere Pharmakonzerne eine Zeit lang versucht, eine Lösung zu finden: Bis 2007 hat Bayer an der Pille für den Mann geforscht. Und ein WHO-Projekt suchte bis 2011 an einer Verhütungsmöglichkeit für Männer.

Es gab zwei Ansätze:

  • Testosteron-Spritzen
  • Gestagen-Implantat

Beides unterdrückt die Produktion der Spermien. Allerdings dauerte es zwei bis drei Monate, bis die Spermienproduktion zum Erliegen kam – und genauso lange, bis der Mann wieder ein Kind zeugen hätte können.

Weil künstliche Hormone immer ein großer Eingriff in den Körper sind, gab es ziemlich viele Nebenwirkungen. Daraufhin empfahl eine Ethikkommission den Abbruch der Studie. Wenn wir die Nebenwirkungen der Verhütungsmethode einfach auf den männlichen Partner schieben würden, hätte am Ende ja auch keiner etwas davon.

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Pille für den Mann: Aktuelle Studien

11-beta-MNTDC

11-beta-MNTDC ist eine Hormon-Kombination aus einem Androgen und Progesteron. Das Medikament ist ein modifiziertes Testosteron und senkt die Produktion der Spermien. In einer ersten Studie am Menschen ist 11-beta-MNTDC nebenwirkungsarm und sicher. Ob es wirksam genug ist, um auf den Markt zu kommen, muss in weiteren Studien noch getestet werden.

DMAU

Auch der Wirkstoff Dimeth­androlon-Undecanoat enthält eine Kombination aus Androgen- und Progesteronanteilen. Er senkt den Testosteronspiegel, was zu einer verminderten Spermienproduktion führt. Auch hier stehen weitere Studien noch an.

Nicht-hormonelle Verhütung für den Mann

Verhütung mit Pflanzenwirkstoff: Gendarusin A

Gendarusin A ist ein Wirkstoff, der aus eine Pflanze kommt. Die Gendarussa wird in Neuguinea schon seit Jahrhunderten zu Tee verarbeitet und als Verhütungsmittel für den Mann eingesetzt. Ein Enzym aus der Pflanze verhindert, dass Spermien in die Eizelle eindringen können. Die Wirkung der Pille setzt innerhalb von einer Stunde ein und soll fast hundertprozentig sicher sein. Der Wirkstoff wurde mittlerweile schon in drei Studien an Menschen getestet und Indonesien bemüht sich um eine Zulassung. Weitere Studien stehen aber noch an. Eine Zulassung am europäischen Markt wird wegen der strengen Auflagen vermutlich noch lange dauern. Sämtliche Tests müssen hier nämlich noch einmal durchgeführt werden.

Türsteher der Eizelle: VU0546110

Um eine Eizelle zu befruchten, muss das Spermium in die Hülle der Eizelle eindringen. Dafür muss sich die Spannung an der Oberfläche des Spermiums ändern. Passiert das nicht, prallt das Spermium einfach von der Eizelle ab. Als ob ein Türsteher sagen würde „Sorry, heute nicht“.

Um ihre Oberflächenspannung ändern zu können, haben Spermien einen sogenannten Ionenkanal, der im richtigen Moment Kaliumionen aus der Zelle schleust. Der Wirkstoff VU0546110 kann diesen Kanal blockieren – und das ganz ohne Nebenwirkungen: Im Körper gibt es nämlich keine andere Stelle, an der die Substanz irgendeine Auswirkung hat. Es ist allerdings noch unklar, ob das dann eine Pille für den Mann wäre, oder doch eine für die Frau. Denn der Kanal muss ja erst im weiblichen Körper blockiert werden, ganz kurz vor der Befruchtung.

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Die größte Hoffnung: YCT529

Den Durchbruch in Sachen Pille für den Mann könnte das Medikament YCT529 bringen. Wie funktioniert es? Seine Verhütungswirkung hängt mit der sogenannten Retinsäure zusammen.

Diese Säure kennen manche vielleicht als Kosmetikwirkstoff Retinol. Retinsäure kommt aber auch im Körper natürlich vor und hat viele Aufgaben. Unter anderem bindet ein bestimmtes Protein die Retinsäure an sich und trägt so zur Bildung von Spermien bei.

Forscher haben einen Wirkstoff namens YCT529 gefunden, der das Protein blockiert, welches an die Retinsäure bindet. So wird das Wachstum der Spermien einschränkt. In Studien mit Mäusen hat das Medikament schon gute Wirkung gezeigt. Doch Studien mit Menschen stehen noch an. Wichtig ist herauszufinden, ob es Nebenwirkungen gibt, oder ob die Fruchtbarkeit auch nach Absetzen der Pille eingeschränkt bleibt. Bei den Versuchen nach Mäusen kam sie nach vier bis sechs Wochen wieder, was vielversprechend ist.

Der aktuelle Durchbruch: sAC-Inhibitoren als Pille für den Mann?

Die deutsche Pharmakologin Melanie Balbach und ihr Team haben in Studien mit Mäusen ein vielversprechendes Medikament gefunden. Es erwies sich als bis zu hundert Prozent sicher in den Tierversuchen. Weiterer Pluspunkt: Nebenwirkungen wurden nicht beobachtet. Das Präparat kann als Spritze oder Pille verabreicht werden und blockiert lösliche Adenylylcyclase (sAC), ein wichtiges Signalprotein, das die Beweglichkeit bei Spermien steuert. Wird sAC blockiert, verlieren die Spermien ihre Mobilität.

Das Besondere? Die Pille wirkt auch kurzfristig. Es reicht also aus, sie kurz vor dem Sex zu nehmen. Der Effekt hält einige Stunden an. In Versuchen mit Mäusen war die Fruchtbarkeit spätestens nach 24 Stunden wiederhergestellt. Sollte ein Paar also entscheiden, Kinder zu bekommen, ist das sofort wieder möglich. Bei aktuell erhältlichen, hormonellen Verhütungsmethoden für die Frau kann es dagegen bis zu einem Jahr dauern, bis die Fruchtbarkeit wieder vollständig hergestellt is